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TikTok im B2B-Marketing: Strategien & Praxis-Tipps

"TikTok ist doch nur was für die Gen Z." Diesen Satz hören wir ständig, meistens von Unternehmen oder Brands, deren Zielgruppe schon seit vielen Jahren auf der Plattform ist. Irgendwie hält sich das Vorurteil hartnäckiger als jedes andere im Social-Media-Marketing. Vielleicht weil es bequem ist. Weil es bedeutet, dass man nichts tun muss. Aber stimmt es noch?

Das Klischee hat inzwischen ein Ablaufdatum

TikTok ist 2019 mit tanzenden Teenagern groß geworden. Aber seitdem sind sechs Jahre vergangen und die Plattform hat sich verändert, schneller als die meisten Marketingabteilungen ihre Meinung dazu.

Heute sind rund 30 bis 35 Prozent der deutschen TikTok-Nutzenden zwischen 25 und 44 Jahren alt. Die Gen Z, die TikTok groß gemacht hat, ist heute nicht mehr 16. Sie ist 25, arbeitet in einem potenziellen Kundenunternehmen und tritt so langsam aber sicher in den Arbeitsalltag ein. Und sie nutzt TikTok anders als früher: nicht nur für Entertainment, sondern auch zur Recherche, zur Weiterbildung, manchmal um zu entscheiden, ob eine Brand den Auftritt hat, den sie sich von einem Partner wünscht.

Direkte B2B-Kaufentscheidungen laufen nicht über TikTok. Das stimmt. Aber kein Funnel beginnt damit, dass jemand auf „Jetzt anfragen“ klickt. Er beginnt damit, dass jemand einen Namen kennt. Dass er ein Gesicht zu einer Firma hat. Dass er das Gefühl hat, eine Brand schon irgendwie zu kennen, noch bevor der erste Bedarf entsteht. Genau darin liegt der Wert von TikTok für B2B-Unternehmen. Nirgendwo sonst.

Und nein: Niemand muss dafür tanzen.

 

Wer scrollt da eigentlich?

Wenn wir bei Playful Media einen neuen B2B-Kanal aufsetzen, machen wir vor dem ersten Video immer dieselbe Übung. Wir verbringen ein paar Tage damit, die gesamte Branche zu analysieren, unseren Algorithmus darauf zu trainieren, aktuelle Inhalte ausgespielt zu bekommen und dann sind wir bereit für einen ersten Eindruck. Nicht um zu kopieren, sondern um zu verstehen, was die Plattform in diesem Segment schon hergibt.

Das Ergebnis ist jedes Mal anders. Aber eines ist konstant: Unter Hashtags wie #businesstiktok, #saas oder branchenspezifischen Begriffen stecent meistens mehr organische Inhalte, als die meisten B2B-Brands erwarten. Millionen Aufrufe auf Content, der sich an Berufstätige, Selbstständige und Entscheider richtet. Keine Tanz-Challenges, kein Beauty-Content. Einfach Leute, die zeigen, was sie können oder wissen.

Ein kurzes Video über einen häufigen Fehler im Projektmanagement kann auf TikTok organisch sechsstellige Reichweite erzielen. Auf LinkedIn würde dasselbe Video vielleicht 800 Impressionen bekommen. Das ist kein Qualitätsurteil über LinkedIn. Es ist einfach der aktuelle Stand der organischen Reichweite auf beiden Plattformen.

 

Für wen es sich wirklich lohnt, und für wen nicht

Es gibt B2B-Unternehmen, für die TikTok im Moment keinen Sinn ergibt. Wer einen Markt mit 30 potenziellen Kunden weltweit adressiert, hochspezialisierte Industriekomponenten verkauft und keine Kapazitäten für regelmäßigen Video-Content hat, sollte das Budget woanders einsetzen. Das sagen wir auch in Erstgesprächen so.

Für alle anderen ist die Frage weniger ob, sondern wann.

SaaS- und Software-Unternehmen haben auf TikTok einen natürlichen Spielraum: Produkt-Demos, versteckte Features, die kaum jemand kennt, Einblicke in den Entwicklungsalltag. Das spricht genau die Menschen an, die Software-Entscheidungen vorbereiten, oft lange bevor sie Procurement einschalten.

Logistik, Produktion, Handwerk: Diese Branchen unterschätzen sich selbst. Maschinen in Aktion, präzise Handarbeit, der Blick in eine Lagerhalle um 6 Uhr morgens. Das zieht auf TikTok. Nicht weil es spektakulär ist, sondern weil die meisten Menschen solche Prozesse nie sehen. Und dieselben Unternehmen kämpfen oft mit Recruiting-Problemen, für die TikTok einer der direktesten verfügbaren Kanäle ist.

Consulting und Dienstleistung funktionieren gut, wenn jemand bereit ist, sichtbar zu sein. Kein anonymes Firmenprofil, sondern eine Person, die Meinungen hat, Haltung zeigt, Themen einordnet. Das ist schwerer als ein Produktvideo, zahlt sich aber auf die Markenwahrnehmung langfristig stärker aus.

 

Was im B2B auf TikTok funktioniert

Behind the Scenes

Zeigt, wie bei euch Dinge entstehen. Nicht die Hochglanzversion davon, sondern das echte Büro, das echte Meeting, den echten Prozess. Eine Agentur beim Briefing. Ein Produktionsbetrieb beim Qualitätscheck. Ein Softwareteam beim Debugging.

Der Grund, warum das funktioniert: Menschen sind neugierig auf Dinge, die sie normalerweise nicht sehen. Das gilt für Consumer-Content genauso wie für B2B. Ein guter Hook dafür wäre z.B. „So sieht ein Strategie-Briefing bei uns aus, von der ersten Idee bis zum fertigen Konzept.“ Keine große Inszenierung nötig.

Klare Meinungen zu Branchenthemen

Das ist das Format, das wir am meisten unterschätzt sehen. Kurze, pointierte Aussagen, die eine echte Position einnehmen. „Die meisten B2B-Websites verlieren Leads nicht wegen schlechtem Design, sondern wegen schlechten Texten.“ So etwas löst Kommentare aus. Kommentare helfen dem Algorithmus. Und wer kommentiert, ist tendenziell genau die Person, die sich für das Thema interessiert.

Wichtig: Das muss von einem Gesicht kommen. Kein Teleprompter, kein Skript. Eine Person, die weiß, wovon sie spricht.

Mini-Tutorials

30 bis 60 Sekunden, ein konkreter Tipp, sofort umsetzbar. Das Format baut am zuverlässigsten Follower auf, weil Menschen einem Account folgen, wenn sie wissen, dass sie dort etwas lernen. Das Ziel ist nicht Vollständigkeit. Das Ziel ist, dass jemand nach dem Video denkt: Das wusste ich noch nicht.

Mitarbeitende als Gesichter

B2B kauft bei Menschen. Das hat sich nicht geändert, auch wenn der Erstkontakt heute immer öfter digital stattfindet. Ein kurzes Video, in dem jemand aus dem Team erklärt, woran er gerade arbeitet oder was ihn an seinem Job nervt und begeistert, wirkt echter als jeder Imagefilm. Und es hilft im Recruiting: Wer sich bewirbt, hat vorher oft bereits ein Gefühl dafür, wie es bei euch wirklich aussieht.

Die Kommentarspalte nicht ignorieren

Viele Accounts unterschätzen, wie viel Reichweite im Dialog selbst steckt, abseits des Videos. Kommentare beantworten, auf Fragen eingehen, gelegentlich ein Video als direkte Antwort auf einen Kommentar drehen. TikTok gibt euch dafür die Funktion, einen Kommentar direkt als Videovorlage zu nutzen. Das erzeugt das Gefühl, dass da echte Menschen hinter dem Account stecken. Was für die meisten B2B-Brands der größte Unterschied zu ihrem bisherigen Social-Media-Auftritt wäre.

TikTok oder LinkedIn? Oder beides?

TikTok ersetzt LinkedIn definitiv nicht. 

LinkedIn funktioniert für direkte Entscheider-Ansprache, für Networking, für Content, der in die Tiefe geht. Für viele B2B-Unternehmen bleibt es der wichtigste Kanal für den unteren Funnel.

TikTok ist das Gegenteil: breite Sichtbarkeit, frühe Funnel-Phase, Aufbau von Bekanntheit bei Menschen, die noch gar nicht aktiv suchen. Wer heute auf TikTok präsent ist, bespielt die Entscheider von morgen. In dem Moment, in dem sie noch gar nicht wissen, dass sie in zwei Jahren euer Kunde werden könnten.

Die stärkste Kombination ist nicht entweder/oder. TikTok für Awareness, LinkedIn für Conversion. Wer beide Kanäle verknüpft, hat gegenüber Mitbewerbern, die sich auf einen Kanal beschränken, einen echten Vorsprung. 

Wie wir starten würden

Das größte Problem beim Start ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Klarheit. Deshalb zuerst: Was wollt ihr überhaupt erreichen? Neue Sichtbarkeit für eine Dienstleistung, Recruiting, Meinungsführerschaft in einer Nische? Das Ziel bestimmt die Formate, die Frequenz und wen ihr vor die Kamera stellt.

Das überspringen viele: Schaut euch erst an, was in eurer Branche auf TikTok bereits passiert. Welche Accounts haben Reichweite, welche Themen performen, wo gibt es Lücken? Eine Woche zuschauen, bevor man selbst postet, spart einige Fehlversuche.

Legt fest, wer auf dem Kanal sichtbar sein soll. Mehrere Gesichter funktionieren, solange jede Person ein klares Themengebiet hat. Aber kein anonymer Unternehmensaccount ohne Persönlichkeit. Das funktioniert auf TikTok grundsätzlich nicht.

Wählt zwei, maximal drei Themenfelder und bleibt dabei. Content-Chaos entsteht, wenn jede Woche etwas Neues ausprobiert wird. Kontinuität ist auf TikTok wichtiger als Originalität.

Und dann: Die ersten 30 Videos als Lernphase begreifen, nicht als Erfolgsmessung. Kein Kanal funktioniert nach fünf Videos. Wer nach drei Wochen noch kein virales Video hatte und aufgibt, hat nichts über seine Zielgruppe gelernt. Die ersten Videos sind Datenpunkte.

Was andere B2B-Brands bereits zeigen

Shopify hat TikTok früh als Kanal für Gründer-Content genutzt. Keine Produktwerbung, sondern echte Einblicke in das, was E-Commerce-Aufbau bedeutet. Der Account funktioniert als Ressource, nicht als Werbekanal. Das merkt man.

Salesforce lässt Mitarbeitende aus verschiedenen Teams sprechen. CRM-Themen, die eigentlich trocken sind, werden auf 60 Sekunden runtergebrochen und von echten Personen erklärt. Das Ergebnis ist ein Account, den man verfolgt, weil man etwas davon hat.

In Deutschland fallen vor allem Produktionsunternehmen und Handwerksbetriebe auf, die ohne großes Budget überraschend starke Kanäle aufgebaut haben. Ihr Vorteil: Prozesse, die faszinieren, weil sie kaum jemand von innen kennt. Und die Bereitschaft, einfach anzufangen.

TikTok für B2B ist kein Massenkanal, der für jedes Unternehmen passt. Aber für die, bei denen es passt, ist es gerade einer der wenigen Kanäle mit echter organischer Reichweite, plus einem Zeitvorteil gegenüber Mitbewerbern, die immer noch abwarten. Als TikTok Agentur helfen wir B2B-Unternehmen, diese Frage konkret zu beantworten. Nicht mit einem generischen Ja oder Nein, sondern bezogen auf Zielgruppe, Ressourcen und was realistisch umsetzbar ist. Wenn es passt, bauen wir gemeinsam eine Strategie. Wenn nicht, sagen wir das auch. Ihr wollt wissen, wo ihr steht? Meldet euch für ein erstes Gespräch. Kostenlos, unverbindlich, ohne Pitch.

Author
Phil

Founder

Blog

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Disclaimer

Wir sind als Agentur sind nicht mit TikTok Technology Limited, Bytedance oder einer ihrer Tochtergesellschaften oder verbundenen Unternehmen geschäftlich verbunden, assoziiert, durch sie autorisiert, unterstützt oder in irgendeiner Weise offiziell mit ihnen verbunden. Die offizielle TikTok-Website findest du unter https://www.tiktok.com/.

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